In fünf “Lockdown Lessons“ während der Hochzeit der Corona-Pandemie in Deutschland hat polisphere gemeinsam mit der Initiative Offene Gesellschaft und dem Auswärtigen Amt einen digitalen Gesprächsraum geschaffen, um gemeinsam über die Auswirkungen der „heruntergefahrenen Gesellschaft“ zu reflektieren. Der Blick nach vorn war dabei das zentrale Element der Veranstaltungsreihe:

Was nehmen wir aus dem Lockdown mit in die neu gestartete Welt? Welche Techniken haben wir in diesen Wochen verlernt? Welche gestärkt? Das innovative Digitalformat wurde in Form von „Denksprints“ zu persönlichen Isolationserfahrungen, europäischer Öffentlichkeit, Wissenschaftskommunikation, Klimawandel und zivilgesellschaftlichem Miteinander gestaltet.

LESSON 1 –

Persönliche Takeaways aus der Isolation

Während der globalen Krise sind unsere sozialen Brücken länger und flexibler geworden. So lernten wir, dass der Lockdown und die physische Distanz soziale Interaktionen nicht stoppen: Vielmehr schufen sie Raum für kreative Lösungen, verstärkten die Anerkennung von Beziehungen und förderten eine tiefere Reflexion darüber, wie wir mit anderen zusammenarbeiten und kommunizieren.

Die wirkliche Chance liegt jedoch darin, ob wir in der Lage sind, auch nach dem Lockdown das Gelernte zu bewahren und umzusetzen und das Bewusstsein dafür aufrechtzuerhalten, wie und zu welchen Zwecken wir unsere Stimme einsetzen.

Tim Heitland
Arzt und Stationsleiter, „Neumayer-Station III“ in der Antarktis

Jasmin Schreiber
Autorin von „Marianengraben“  

Robby Hunke
Sportkommentator

Beata Kròl
Marine Kapitänleutnant

Jutta Allmendinger
Präsidentin, Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB)

LESSON 2 –
Neue Chancen für ein European
Public Space

„Europa“ ist dieser Tage zu einer abstrakten Idee geworden – für manche vielleicht sogar noch abstrakter als sonst. Geschlossene Grenzen, nationale Reflexe und Krisenrhetorik bestimmen das Bild des europäischen Projekts. Grenzüberschreitende und vor allem auch zivilgesellschaftliche Verständigung wird in der Krise zwar mancherorts gelebt, doch zu selten sichtbar.

In der nächsten Ausgabe unserer Lockdown Lessons [Neue Chancen für einen European Public Space] laden polisphere und die Initiative Offene Gesellschaft daher zu einem Gespräch über die Frage ein, wie wir den europäischen Raum digital und analog neu beleben und erleben, wo wir uns begegnen und wie wir miteinander kommunizieren können – sowohl während der Coronakrise
als auch danach.

Begrüßen dürfen wir u.a. Prof Dr. Julia von Blumenthal, Präsidentin der Europa-
Universität Viadrina; Sabine Mehnert, Projektleitung von Talking Europe; Martin Speer,

Initiator von #FreeInterrail und Prof Dr. Andreas Gardt,
Professor für Germanistische Sprachwissenschaft/Sprachgeschichte an der
Universität Kassel.

In drei partizipativen Denksprints diskutieren wir die Fragen:
• Can you put on your mic, please? Wie Sprache von der Hürde zur Horizonterweiterung
werden kann.
• Let’s talk/play/cook together. Wie digitale Räume gestaltet sein müssen, damit sie
EuropäerInnen zusammenbringen.
• Schengen will be back. Teilhabe in europäischen physischen Räumen.

LESSON 3 –

Wissenschaftskommunikation: Das Comeback der Fakten

In vielen von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Ländern sind WissenschaftlerInnen zu Fixpunkten der öffentlichen Debatte geworden. Nicht nur, weil sie in Zeiten allgemeiner Verunsicherung Zugang zu den wenigen belastbaren Informationen haben und diese interpretieren können. Sondern auch, weil sie meist in unaufgeregter und ungefilterter Sprache Orientierung geben. Teilweise haben sich echte Starkulte gebildet, auf der anderen Seite provoziert diese nüchterne Realität auch Aggression bis hin zu Morddrohungen – sogar von „Virologen-Diktaturen“ ist die Rede.

Parallel zur Renaissance der Fakten bekommen Verschwörungstheorien und Desinformation Auftrieb. Dennoch ist die derzeitige Lage eine Chance, Wissenschaft eine neue Rolle in unserem Denken und Handeln einzuräumen. Wie das funktionieren kann, wollen wir in unserer dritten Lockdown Lesson „Wissenschaftskommunikation: Das Comeback der Fakten“ diskutieren.

LESSON 4 –
Flattening Global Warming:
Menschsein im Anthropozän

Die weltweiten Emissionen werden im Jahr 2020 auf ein Rekordtief sinken und auf einmal ist all das möglich, was KlimaschützerInnen schon seit jeher fordern: mehr Radwege in den Städten, Reduzierung des Flugverkehrs und ausbleibende Luft- und Wasserverschmutzungen eröffnen im wahrsten Sinne des Wortes neue Perspektiven. Das Virus zeigt der Menschheit ihre Grenzen und Verletzbarkeit auf und führt eindrücklich vor Augen, dass eine kollektive Reaktion auf globale Herausforderung möglich ist, wenn die Dringlichkeit gegeben ist. Dabei stellt die Pandemie auch jenseits des Klimaschutzes die Frage nach dem Verhältnis
vom Menschen und Natur im Zeitalter des Anthropozäns, der menschengemachten oder zumindest -gestalteten Epoche. Wie versteht sich eine Spezies, die in immer mehr Bereiche vordringt und diese dabei bewusst oder unbewusst oft zum Negativen umgestaltet? Wie kann uns der momentane „Full Stop“ helfen, aus dem invasiven einen symbiotischen Umgang mit unserem natürlichen Lebensraum zu machen? Was bedeutet das für Globalisierung,
Digitalisierung, Mobilität und die Zukunft der Arbeitswelt?

Diese Fragen wollen wir in unserer vierten Lockdown Lesson [ Flattening Global Warming: Menschsein im Anthropozän ] beantworten. Begrüßen dürfen wir u. a. den kanadischen Botschafter und ehem. Umweltminister Stéphane Dion, Dr. Friederike Otto (Environmental Change Institute), Prof. Eva Horn (Universität Wien), Dr. Gregor Hagedorn (Scientists For Future) und Mona Hille (Projektmanagerin Fundraising & Campaigning bei GermanZero).

LESSON 5 –

Civil society spirit despite closed borders

As the coronavirus began impacting European societies, many wondered: How can our societies continue to feel connected in times of physical distancing, minimal contact and closed borders? How can we use this crisis to develop strategies to make our society more resilient, networked and empathetic in the future? Zooming in on civil society, we wondered: how can organizations and loose movements do justice to their roles and responsibilities in this time of closed borders and upheavals? Months later, looking around, it becomes clear that civil society has taken on new, creative forms of action to remain interconnected throughout these challenging times.

In addition to changing our relationship with physical borders and accessibility, the virus has also amplified our awareness of pre-existing social and cultural borders. Stories of isolation, work and economic security have significantly varied depending on factors which are out of an individual’s control. Moreover, against the backdrop of a virus which continues to exacerbate existing inequalities; the murders of black citizens by police in the USA have made the borders of race and discrimination visceral. What may have started as a mobilization of thousands to say Black Lives Matter, has transformed into an invigorated international movement calling to reform systems of racism, inequality, discrimination, and social justice everywhere.

As the lockdown is lifting, our fifth and last Lockdown Lesson is focusing on the takeaways civil society can draw from these times of multiplying borders. What responsibility do we carry as individuals and how can we amplify voices of realities we have not lived within our own spheres of influence? How can internationally conjoined movements be strengthened and sustained in their respective countries? And most importantly, which tools do we need to build up societies with egalitarian and sustainable structures that will be able to withstand the next crisis?